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Erstgeborene: Berufung, Kämpfe und Ehre

Ich schreibe diesen Artikel mit schwerem Herzen und denke an meine Lieben, die ersten Bekehrten in ihren Familien, die leider schwere Rückschläge auf ihrem Glaubensweg erlitten haben, ja sogar so sehr, dass sie ihn beinahe ganz aufgegeben hätten. Ich bete, dass GOtt diesen Artikel nutzen wird, um so viele Menschen wie möglich auf das Privileg aufmerksam zu machen, das ihnen als Erstlinge des HErrn zuteilwird, auf ihre Berufung, für die Nachfolger einzutreten, aber auch auf den schweren Kampf, den sie führen müssen.

Wer die Heilige Schrift aufmerksam liest, erkennt schnell, dass GOtt für die Unterweisung, Formung und Erlösung der Menschheit in seiner Souveränität beschlossen hat, sich grundsätzlich auf einen einzigen Nachkommen zu konzentrieren, den er anschließend vermehrt. Dies sehen wir sowohl beim ersten Adam als auch beim letzten, unserem HErrn JEsus Christus. 

Um eine Erweckung herbeizuführen, sucht GOtt im Allgemeinen einen einzigen Menschen, zu dem er sprechen und sich ihm offenbaren kann. Durch diesen ersten Menschen, der nicht in Fürbitte und im Werk seiner Seele ruht, bis er die HErrlichkeit des HErrn um sich herum gesehen hat, offenbart er sich dann anderen. Wir sehen dies bei Abraham, dem Vater des Glaubens, den wir bekennen, bei Josef, dem Patriarchen, durch den GOtt Jakob, die Patriarchen und ganz Ägypten vor der Hungersnot rettete; wir beobachten es auch bei Mose und dem Volk GOttes, bei Petrus, der, obwohl er den HErrn wie alle seine Mitjünger verlassen hatte, als Erster bekehrt wurde und dann seinerseits sie stärkte; … Beispiele dafür gibt es in der Heiligen Schrift und im heutigen Leben zuhauf, doch sie alle offenbaren eines: Wenn du der Erstgeborene in deiner Familie bist – sei es leiblich oder geistlich –, wenn du der erste Bekehrte in deiner Stadt, Nachbarschaft, Schulklasse usw. bist, dann hast du wahrscheinlich eine wichtige Berufung von GOtt in deinem Leben, und es wäre für dich von Vorteil, ihre wahre Bedeutung schnell zu erfassen. Doch seien wir versichert: Wenn wir von „Samen“ sprechen, bleibt dies ein Bild, das beinahe irreführend ist, denn in Wirklichkeit ist der Same, das Absolute, Christus und Christus allein, der uns durch seinen Heiligen Geist, der in uns wirkt, zum Sieg im Kampf führen wird, zu dem der ewige GOtt uns beruft. Denken wir daran: Der Sieg ist bereits errungen, alles ist bereits vollbracht; die Herausforderung besteht nun darin, ihn in unserem Leben und dann in unserem Umfeld zur Frucht zu bringen.

 

Der Ehemann und seine Ehefrau
Adam wurde vor Eva erschaffen. Er empfing GOttes Weisungen und Führung. Ihm zeigte GOtt, welcher Baum Tod und welcher Leben bringt. Daher trug er die Verantwortung, seine Frau zu lehren, aber auch über sie zu wachen. Doch er versagte in seiner Aufgabe; schlimmer noch, er gab dieser Gabe GOttes die Schuld an seiner Sünde. Welch eine Tragödie! Dass derjenige, der zum Führen berufen ist, sich über die Schwäche derjenigen beklagt, die er führen soll, und sie sogar für seine eigene Sünde verantwortlich macht?!

Ungeachtet des biologischen Alters trägt der Ehemann auch heute noch vor GOtt die Verantwortung als „Erstgeborener“ in seiner Ehe, daher sein Titel als „Haupt“ (1. Korinther 11,3 ; Epheser 5,23). Ihm ist derjenige, dem GOtt im Allgemeinen zuerst seine Pläne für sein Zuhause offenbart. Er muss sich leidenschaftlich für die Erfüllung von GOttes Absichten für seine Frau, sich selbst und auch ihre Kinder einsetzen, insbesondere solange die Söhne noch nicht erwachsen und selbstständig sind oder die Töchter unverheiratet, denn in dieser Zeit ist seine Verantwortung für ihr Wohlergehen von größter Bedeutung.

 

Das erstgeborene Volk
Vom Augenblick des Sündenfalls Adams an hatte GOtt einen Erlösungsplan, einen Plan zur Wiederherstellung der Menschheit. Nachdem er mit Menschen wie Seth, Henoch, Methusalah und Noah (1. Mose 6-9) gewirkt hatte, setzte GOtt seinen Plan um. Dieser bestand darin, zunächst ein erstgeborenes Volk zu erwecken, dem er nicht nur die ersten Grundlagen des Glaubens vermitteln, sondern durch das er auch den Urheber des Glaubens, Jesus Christus, auf die Erde bringen wollte. So erwählte GOtt Abraham. „Abraham zeugete Isaak. Isaak zeugete Jakob. Jakob zeugete Juda und seine Brüder.“ (Matthäus 1,2)

Die Genealogie der Kirche lässt sich nicht in wenigen Zeilen zusammenfassen. Doch sei angemerkt, dass Jakob und seine Familie, die vor der Hungersnot ihrer Zeit flohen, nach Ägypten kamen, dort blieben und sich vermehrten, bis ein grausamer König die Macht an sich riss und ihre Nachkommen versklavte. Lesen wir nun aufmerksam die Worte, die GOtt Mose zu Pharao sprechen ließ, als er ihn sandte, um sein Volk zu befreien: „Und sollst zu ihm sagen: So saget der HErr: Israel ist mein erstgeborner Sohn; und ich gebiete dir, daß du meinen Sohn ziehen lassest, daß er mir diene. Wirst du dich des weigern, so will ich deinen erstgebornen Sohn erwürgen.“ (2. Mose 4,22–23)

So nennt der HErr ein ganzes Volk seinen Sohn, seinen Erstgeborenen. GOtt hatte in der Tat die Absicht, Menschen aus allerlei Geschlecht und Zungen und Volk und Heiden zu erretten, so wie es seine Kirche werden sollte (Offenbarung 5,9; 7,9). Doch dazu brauchte er von Anfang an ein erstgeborenes Volk, ein Volk, dem er sich in besonderer Weise offenbaren würde und das, wenn die Zeit gekommen war, die Verantwortung tragen sollte, die Gute Nachricht unter anderen Völkern zu verbreiten: Dies war Israel.

Da die Heiligung (Absonderung) ein allmählicher Prozess war, weihte Gott innerhalb dieses bereits für ihn abgesonderten Volkes noch einen weiteren Stamm seinem Dienst.

 

Der Priesterstamm
Im Alten Bund repräsentierten die Erstgeburt der Rinder und Schafe, die Erstgeborenen der Menschen die Kraft, die erste Macht (1. Mose 49,3; 2. Mose 22,29; 5. Mose 12,6; 21,17). Ihre Weihe an GOtt war, über die Erfüllung des Gesetzes hinaus, eine GOtt gebührende und ihm erwiesene Ehre. Doch kehren wir zu den Umständen zurück, die das Gesetz über die Weihe des „Stammes der Erstgeborenen“ begründeten..

Wie im Text 4. Mose 3, insbesondere ab Vers 11, deutlich wird, erwählte Gott den Stamm Levi, um die Erstgeborenen des Volkes Israel zu ersetzen (eine Erlösung, die den Unterschied in den Zahlen zwischen den beiden Volkszählungen ausgleichen sollte). Dies verdeutlicht die Berufung der Erstgeborenen in Gottes Plan: ihren Brüdern zu dienen, sie im Leben und sogar im ewigen Leben zu begleiten. Wir beschränken uns darauf, dies anhand einiger Beispiele zu veranschaulichen, die sehr anschaulich und sogar repräsentativ erscheinen.

 

Joseph, der Patriarch
In der Heiligen Schrift, zumindest auf der Ebene der Patriarchen, sehen wir eindeutig, dass der Erbe der Verheißung stets der Erstgeborene war. Und wenn dies nicht der Fall war, wurde stets eine klare Erklärung gegeben..

  • Isaak: Er war Abrahams erster legitimer Sohn, aber vor allem war er selbst der „Sohn der Verheißung“, wobei wir dies in Anführungszeichen setzen, da der verheißene Nachkomme in Wirklichkeit der HErr JEsus Christus selbst war..
  • Jakob: Er war der Zweitgeborene, aber der Erstgeborene verkaufte ihm seine Erstgeburt, und wie der Verfasser des Hebräerbriefes so treffend erinnert, wurde er dadurch des Segens beraubt (Hebräer 12,15-17).
  • Juda und Josef: Hier sehen wir zum ersten Mal eine Unterscheidung zwischen dem Erstgeburtsrechtträger (Josef) und dem Haupterben der Verheißung (Juda). Wir sprechen von „Haupterben“, weil diesmal alle zwölf Patriarchen das Erbenvolk bilden würden, der Messias aber nur aus einem Stamm, dem Stamm Juda, stammen würde. (1. Chronik 5,1-2). Tatsächlich sehen wir im 1. Mose 49 deutlich, wie Jakob erklärt, warum Ruben, dann Simeon und schließlich Levi diese Position nicht erben würden. Im Buch der Chroniken wird jedoch eindeutig festgehalten, dass die Erstgeburt Josef zugesprochen wurde.

Erinnern wir uns an die Träume des Patriarchen Josef seit seiner Jugend, vor allem aber daran, dass Gott durch ihn seine Familie, insbesondere seine Brüder, rettete. So erfüllte er die Rolle des Erstgeborenen, des Vorreiters (des Ersten unter seinem Volk) im Land Ägypten, das zum Zufluchtsort werden sollte, wo es während der Hungersnot so dringend benötigt wurde..

 

Petrus
Beim Lesen der Heiligen Schrift erkennen wir, dass Petrus als erster der zwölf Apostel von Gott eine klare und präzise Offenbarung darüber empfing, wer der HErr JEsus Christus ist (Matthäus 16,13-21): Er war der Erstgeborene im Dienst des HErrn. Folglich gehörte er zu seinen drei engsten Vertrauten. Und auch sein Glaube zeigte sich sehr schnell, denn auf Christi Wort hin ging er auf dem Wasser. Welchen Einfluss hatte sein Status als Erstgeborener auf seine Berufung? Lasst uns gemeinsam die Unterweisung des Herrn in einem Gespräch mit Petrus am Vorabend seiner Kreuzigung untersuchen.

„Der HErr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, daß er euch möchte sichten wie den Weizen! Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrest, so stärke deine Brüder.(Lukas 22,31-32). Wir haben bestimmte Wörter hervorgehoben, um zu betonen, dass Petrus, im Gegensatz zu dem, was der Teufel uns glauben machen will, nicht der Einzige war, der den HErrn verriet, sondern alle elf Apostel (Judas, der ein offenkundiger falscher Bruder war, wird hier nicht mitgezählt). Petrus hatte ihn zwar verbal verleugnet, doch alle hatten ihn verlassen außer dem Vater (Johannes 16,32). Und weil sie die Wahrheit erkannt, sein Wort angenommen und dann verworfen hatten, hatte Satan, der Widersacher der Gläubigen, bereits Petrus, die Apostel und alle, die den HErrn kannten, für sich beansprucht (daher der Ausdruck der Satanas hat euer begehrt). Doch das Gebet des HErrn Jesus Christus galt nur einem: Petrus! (daher der Ausdruck Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre.) War er besser als seine Brüder? Nein, ganz im Gegenteil; seine Verlassenheit war in der Tat die abscheulichste von allen! Lag es daran, dass seine Sünde die abscheulichste war? Gewiss nicht,  denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an GOtt haben sollten (Römer 3,23). Andererseits hatte der HErr JEsus Christus vom Vater einen „Erstgeborenen“ empfangen, einen Vorläufer unter seinen Brüdern, dem er die Aufgabe anvertraute, die anderen zu stärken (Lukas 22,32), die Aufgabe, als Erster das Evangelium den Juden (Apostelgeschichte 2) und dann den Heiden (Apostelgeschichte 10) zu verkünden: Dies war Petrus!

 

Die 12 Apostel
Nach der Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Verherrlichung des HErrn JEsus Christus, nachdem Judas gehängt worden war, legte der Apostel Petrus, dem Gott bereits vor dem Kommen des Heiligen Geistes in seiner letzten Heilszeit bestimmte Offenbarungen gewährt hatte, die Bedingungen fest, die derjenige erfüllen musste, der Judas' Platz einnehmen sollte: „So muß nun einer unter diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, welche der HErr JEsus unter uns ist aus und ein gegangen, von der Taufe des Johannes an bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden.“ (Apostelgeschichte 1,21–22)

Nach der gestaffelten Auswahl, die wir im Zusammenhang mit dem erstgeborenen Stamm (Juda), der selbst einem erstgeborenen Volk (Israel) angehörte, erwähnten, finden wir hier ebenfalls einen Apostel (Petrus), den Erstgeborenen unter den zwölf Aposteln, die ihrerseits die Erstgeborenen der gesamten Kirche waren. Demnach wurde die Frage der Beschneidung selbst gemäß ihrem Urteil vor dem Apostel Paulus entschieden, der zweifellos ein bedeutender Apostel war, aber nicht den Vorrang der Zwölf genoss. Diese zwölf, die von Beginn des Wirkens des HErrn Jesus an dabei waren, die Erstgeborenen, denen der Herr zwölf Throne vorbehalten hat, um die zwölf Stämme Israels zu richten (Matthäus 19,28).

 

Das samaritische Weib
Der HErr JEsus Christus hatte die Offenbarung, dass die Menschen in Samaria bereit waren, das Wort aufzunehmen; später teilte er dies seinen Jüngern mit folgenden Worten mit: Saget ihr nicht selber: Es sind noch vier Monden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte(Johannes 4,35). Bevor JEsus Christus zu den Menschen sprach, suchte er nach einem Zugang zu ihnen. Dieser Zugang fand er nicht am Brunnen, sondern bei der Samariterin, die, wie wir im Artikel Begegnung des samaritische Weib mit Christus – Ein persönliches Erlebnis ausführlich beschreiben, eine tiefe Sehnsucht danach hatte, Gott zu erkennen und dem Messias zu begegnen, der alles verkünden würde. Der Heilige Geist ermöglichte diese Begegnung. In seiner Souveränität wollte Gott, dass diese Frau die erste Einwohnerin der Stadt war, zu der Christus sprach, der er die gute Nachricht brachte und bei der er eine positive Antwort erfuhr, denn sie nahm seine Botschaft voll und ganz an. Und ohne dass der Herr sie aussenden musste, um die gute Nachricht unter ihren Mitbürgern zu verbreiten, eilte sie in die Stadt, um sie zu verkünden. Eine wunderbare Geschichte, die der Apostel Johannes (Kapitel 4,3–43) erzählt und die offenbart, wie der HErr eine „Erstgeborene“ gebrauchte, bevor er den Rest der Stadt Samaria evangelisierte.

 

Der Werfer den ersten Stein
Im Johannesevangelium (Kapitel 8) kamen die Schriftgelehrten und Pharisäer, um den HErrn JEsus Christus auf die Probe zu stellen. Sie zerrten eine Frau hinter sich her, die beim Ehebruch ertappt worden war, und verkündeten dem Herrn die Strafe, die eine solche Frau nach dem Gesetz des Mose „verdient“ habe. Doch wie antwortete der HErr? Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.(Johannes 8,7b). Um diesen Text zu verstehen, sind mindestens zwei Schlüsselbegriffe nötig.

Das erste und bekannteste Beispiel betrifft das mangelnde Verständnis des Volkes für den Geist des Gesetzes. Sich nur auf die Texte zu beschränken, war schon immer eine Tragödie, deren schlimmste darin bestand, dass sie als Vorwand für den Tod des Messias diente, der der Blasphemie und der Missachtung des Sabbats beschuldigt wurde (Johannes 5,15-18; 7,22-30). Tatsächlich wurden zur Zeit Moses und sogar Josuas Menschen gesteinigt oder getötet, weil sie Unzucht trieben (nicht unbedingt mit ihrem physischen Körper, sondern immer im spirituellen Sinne), wie etwa das Volk, das das gegossene Kalb anbetete und sich weigerte, Buße zu tun (2. Mose 32), oder Achan, der sich an dem Verbanneten vergriff (Josua 7). Doch gerade Moses tritt in diesem ersten Fall für das übrige Volk ein und riskiert dabei sogar sein eigenes Heil (2. Mose 32,32). Um den Zusammenhang zwischen diesen beiden Beispielen aus dem Alten Bund und dieser Episode im Leben Christi besser zu verstehen, ist es ratsam, den zweiten Schlüssel zum Verständnis zu betrachten.

In seinem Evangelium hebt der Apostel Johannes regelmäßig hervor, wie Jesus flüchtige natürliche Realitäten nutzt, um auf tiefere spirituelle Realitäten hinzuweisen (bei der Hochzeit zu Kana deutet er an, dass er erst dann Wein für eine Hochzeit geben soll, seine eigene [siehe später Artikel Hochzeit zu Kana]; während seiner Begegnung mit dem samaritische Weib spricht er von Wasser, das das Weib am Brunnen trinken soll, dann spricht er von Feldern, die zur Ernte weiß werden, und als das Weib läuft, um die Nachricht ihrer Familie zu verkünden; und als seine Jünger die Gelegenheit nutzen, ihn zum Essen einzuladen, lehnt er ihr Angebot ab, indem er ihnen sagt, dass er in Wirklichkeit bereits zu essen hat [siehe Artikel Begegnung des samaritische Weib mit Christus – Die spirituelle Sprache Christi]). In diesem Fall macht der HErr den Anklägern der verhafteten Frau deutlich, dass, wenn sie verurteilt werden muss, er, der Erstgeborene, den ersten Stein werfen soll; genau das tat er mit der großen geistlichen Hure, von der in Offenbarung 17, insbesondere Vers 14, die Rede ist. Er ist es, der den Kampf anführt und sein Volk leitet. Bevor sie jedoch Strafe über ihnen Mitmenschen verhangen, lässt der HErr sie verstehen, dass sie zuerst sich selbst richten müssen, nicht wegen einer bestimmten Form der Prostitution, sondern wegen aller Formen, denn alle Sünde ist geistliche Prostitution, eine Bindung an den Bösen anstatt an Christus, der den Preis bezahlt hat, um unser rechtmäßiger Bräutigam zu sein.

Tatsächlich war GOtt vom Alten Bund bis heute stets bestrebt, Korruption und Unzucht unter seinem Volk auszurotten. Manchmal geschieht dies, indem er Einzelne physisch entfernt, weil sie ihn nie wirklich gekannt haben oder aus anderen Gründen (wie die bekennenden Anbeter des gegossenen Kalbs; Achan, der sich an dem Verbanneten vergriff; Ananias und Saphira, die die Gemeinde belogen hatten…). Meistens jedoch führt GOtt seine Erstgeborenen, wie die Propheten bis hin zu Johannes dem Täufer und dann zu den Aposteln, die alle in ihren Briefen als Erste die „Unzucht“ anprangern, die weiterhin unter seinem Volk, seiner Kirche, praktiziert wird. Diese Unzucht äußert sich in Form von Irrlehre, Habsucht (die Götzendienst ist [Epheser 5,5; Kolosser 3,5]), Unreinheit und verschiedenen anderen Praktiken. Mit anderen Worten: Je nach den Umständen wird GOtt diejenigen aus seinem Volk entfernen, die hartnäckig in Ausschweifung und Sünde verharren; er wird aber auch seine wahren Kinder, die straucheln, dazu führen, sich entschieden von jeder Form des Kompromisses und der Verführung durch den Bösen zu trennen..

Schließlich offenbart die Heilige Schrift die Stellung, die erstgeborene Söhne einnehmen sollen, wenn es darum geht, die Schlacht anzuführen; die beiden genannten Beispiele stammen aus dem Buch der Richter. Mindestens zweimal fragte das Volk, im Bewusstsein der Bedeutung, als Erster in den Kampf zu ziehen, den HErrn, wer den Krieg wider den Gegner führen solle. Das erste Mal ging es um die Einnahme Kanaans, des verheißenen Landes (Richter 1,1-2), und das zweite Mal, als Benjamin die Schande in Israel beging, einen Akt der Unzucht (Richter 20,18). Jedes Mal war es Juda, der Haupterbe, dem Gott diese Verantwortung übertrug. Was beobachten wir andererseits im vorliegenden Beispiel der beim Ehebruch ertappten Frau? Jesus rief ironischerweise die „Erstgeborenen“ zur Verantwortung auf; und da erkannten die älteren Männer, die diesen Status in geringerem Maße für sich beanspruchen konnten, dass sie von der Menge irregeführt worden waren und besaßen zumindest die nötige Klarheit, nicht länger die Ersten zu sein, die Steine ​​warfen, sondern die Ersten, die umkehrten; wie geschrieben steht: „Da sie aber das höreten, gingen sie hinaus, von ihrem Gewissen überzeugt, einer nach dem andern, von den Ältesten an bis zu den Geringsten. Und JEsus ward gelassen allein und das Weib in der Mitte stehend.“ (Johannes 8,9). Erinnern wir uns: Jedes Mal sandte GOtt Juda, den Haupterben der Verheißung. Ob es darum geht, neue Gebiete zu erobern (Familien, Länder, Städte, Mitarbeiter, Universitätsangehörige usw.) oder ein Volk im Rückzug zurechtzuweisen, wie er es mit Johannes dem Täufer in Israel oder mit einigen bekannten Evangelisten unserer Zeit tat – Gott wird immer einen „Erstgeborenen“ suchen, der den Krieg wider das Reich der Finsternis führt.

Die Verantwortung jedes Erstgeborenen besteht daher darin, als Erster gegen die Sünde in dem Umfeld anzukämpfen, in das GOtt ihn gestellt hat. Durch das Gebet, ja, aber auch durch das reine Evangelium, geleitet vom Heiligen Geist in dieser Mission. Ja, bekleidet mit der von Christus geerbten Heiligkeit, so lautet der Auftrag jedes Erstgeborenen..

 

Vom eingeborenen Sohn zum Erstgeborenen Sohn
Wie die Heilige Schrift lehrt, schuf Gott den ersten Adam, und durch ihn wird die ganze Erde erfüllt. Doch weil Adam die Gemeinschaft mit seinem Schöpfer verlor, sandte Gott uns auch den Herrn Jesus Christus, den er als Erstgeborenen der neuen Schöpfung einsetzte; durch ihn empfangen wir das Leben; „wie es geschrieben stehet: Der erste Mensch, Adam, ist gemacht ins natürliche Leben und der letzte Adam ins geistliche Leben.“ (1. Korinther 15,45) „Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; welcher ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten, auf daß, er in allen Dingen den Vorrang habe.“ (Kolosser 1,18) „Denn es ziemete dem, um deswillen alle Dinge sind, und durch den alle Dinge sind, der da viel Kinder hat zur Herrlichkeit geführet, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiliget, und die da geheiliget werden. Darum schämet er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht: Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir Lob singen. Und abermal: Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen. Und abermal: Siehe da, ich und die Kinder, welche mir GOtt gegeben hat.“ (Hebräer 2,10-13)


Ein unvermeidlicher Kampf
Ganz gleich, wie du als Erstgeborener anerkannt wurdest – ob biologisch, durch Bekehrung innerhalb deiner Familie oder in einem bestimmten Umfeld –, bist du unbestreitbar ein Hauptziel des Bösen. Indem er dich vernichtet, hofft er, das Werk GOttes, das er durch dich begonnen hat, zu behindern oder gar zu verhindern. Dies lässt sich an verschiedenen Beispielen erkennen, wie etwa an Adam, Josef und Petrus, die bereits erwähnt wurden, oder an Mose und vor allem am Messias. Sobald der Böse erkennt, dass ein Plan GOttes Gestalt annimmt, wird er versuchen, dessen Anfänge zu vernichten. Möge GOtt uns davor bewahren, euch Angst einzujagen; vielmehr beten wir, dass ihr die Tragweite dessen, was auf dem Spiel steht, und die Bedeutung eurer Position für den HErrn, aber auch für seinen Widersacher, wirklich erfasst. Und dass ihr, dessen bewusst, euren Glauben sehr ernst nehmt, denn Prüfungen werden bald kommen, und sie mögen schwer sein. Doch Ehre sei GOtt und seinem Christus JEsus, der uns den Sieg bereits geschenkt hat. Unsere Verantwortung ist es daher, unablässig zum HErrn zu beten, dass er uns die Kraft schenkt, standhaft zu bleiben, welcher Versuchung oder Prüfung wir auch begegnen mögen. Darüber hinaus müssen wir uns stets seinem Heiligen Geist unterstellen, der uns durch verschiedene Umstände und Weisungen lange im Voraus auf Prüfungen vorbereitet, noch bevor sie eintreten. Denn wie wir in einem Gleichnis des HErrn sehen, gehen dem Sturm stets Momente der Ruhe voraus, denn sie sollen uns ermöglichen, in Ruhe zu bauen, bevor das Fundament unseres Hauses (das wir so errichtet haben) auf die Probe gestellt wird (Matthäus 7,24–27).

 

Wenn Sie bereits gefallen sind
Vielleicht haben Sie das vorherige Kapitel mit großem Bedauern gelesen und gedacht, es sei zu spät für Sie. Doch mein lieber Bruder, meine liebe Schwester, GOtt dem Vater und Christus, seinem Sohn, sei Dank, Ihre Lage ist noch nicht aussichtslos. Denn während wir im Alten Bund sehen, dass Esaus Reue wirkungslos blieb und das Schicksal Rubens, Levis und Simeons unwiderruflich besiegelt war, erkennen wir im Neuen Bund freudig, dass der Apostel Petrus die Botschaft seiner Wiederherstellung empfing, noch bevor er Buße tat, da er sogar Zweifel hatte, ob er den HErrn verleugnen würde. Dies ist Teil der Gnade, die wir in GOtt durch Christus haben: die Wiederherstellung seiner ursprünglichen Absichten für uns, denn „So wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünde vergibt und reiniget uns von aller Untugend.“ (1. Johannes 1,9)

 

Die gebührende Ehre
Es wird daher deutlich, dass wir alle unseren Glaubensvorfahren Ehre schulden, sei es in unseren Familien, am Arbeitsplatz, in unserer Nachbarschaft, in unseren Städten oder in unseren Nationen. Denn um die Erlösung durch Christus zu verbreiten, mussten sie die Verfolgungen und Bedrängnisse des Bösen ertragen. Nehmen wir uns ein Beispiel am Apostel Paulus, der in seinem Brief an die Römer darauf achtete, Andronikus und Junias, seine Gefreundeten und Mitgefangenen, zu ehren, die vor ihm in Christo gewesen waren (Römer 16,7). Vor allem aber lasst uns die Pioniere ehren, die Erstlingsfrüchte GOttes in unseren Familien, unseren Berufskreisen, unseren Gemeinden, unserer Stadt, unserer Nation, unserem Kontinent.

Hier sollen wir uns an unsere moralische Verpflichtung gegenüber dem erstgeborenen Volk Gottes erinnern, dem heutigen Volk Israel (im physischen Sinne). Auch wenn dieses Volk in moralischer Hinsicht heute Schändlichkeit legalisiert hat und die Hauptreligion trotz Christi das Judentum bleibt, bleibt es doch wahr, dass wir das Wort GOttes durch ihre Vorfahren empfangen haben (Petrus, Johannes, Paulus, Apollos und die anderen Apostel und die frühen Gemeinden). Und während der Böse unaufhörlich seinen Zorn gegen sie entfesselt, aus Furcht, sie könnten zu GOtt zurückkehren, erheben wir, die heutige Kirche des Herrn, uns heute und beten inbrünstig und unaufhörlich für das Heil dieses Volkes GOttes: wenn nicht aus Liebe und Dankbarkeit, so lasst es uns doch aus Pflicht tun.

 

Die Herrlichkeit GOttes 
Damit niemand, der im vorangegangenen Kapitel einen Grund für Stolz sieht, Anstoß nimmt, ist es unsere Pflicht, jeden Erstgeborenen daran zu erinnern, dass allein der Herr Jesus Christus unsere Quelle des Heils ist und allein ihm die Ehre gebührt. Die dir zustehende Ehre kannst du nicht für dich beanspruchen. Denn dein Lohn kommt letztlich nur vom HErrn selbst. Lasst uns gemeinsam den Herrn um die Offenbarung jener Demut bitten, zu der er uns nach jedem GOttesdienst einlädt: wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. (Lukas 17,7–10 [10b])

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